Wann nach Spanien zum Wandern reisen
Spanien hat zwei klar getrennte Wandersaisons, und die Wahl der Reisezeit verändert das Erlebnis grundlegend. Anders als in den Alpen liegt die optimale Phase nicht im Sommer, sondern in den Übergangsjahreszeiten — eine wichtige Tatsache, die viele Erstbesucher überrascht.
Die Frühjahressaison von Anfang März bis Ende Juni ist die schönste Phase für die meisten Festland-Regionen. Im März und April zeigen sich die Sierra de Aracena, die Sierra Nevada, die Sierra de Gredos und das Hinterland Andalusiens in ihrer kurzen, intensiven Blüte. Wildlavendel, Rosmarin und Thymian überziehen die Hänge, die Temperatur liegt tagsüber bei angenehmen achtzehn bis vierundzwanzig Grad. Mai und Juni bringen die Pyrenäen und die Picos de Europa in ihre Saison — die Schneefelder über zweitausend Metern sind weitgehend abgetaut, die Hochweiden grün, die Tage sehr lang.
Der Hochsommer von Juli bis Mitte September ist auf dem Festland in der überwiegenden Mehrzahl der Regionen zu heiß für reines Wandern. Andalusien, die Extremadura und die Hochebenen Kastiliens erreichen Temperaturen über fünfunddreißig Grad — eine Belastung, die schon bei mittelschweren Touren gefährlich werden kann. Wer im Hochsommer in Spanien wandert, sollte sich auf die Höhenlagen der Pyrenäen über zweitausend Metern, die Sierra Nevada über zweitausenddreihundert Metern oder die kühleren atlantischen Regionen (Galicien, Asturien, Kantabrien) konzentrieren. Letztere sind im Hochsommer mit fünfundzwanzig bis achtundzwanzig Grad sogar besonders angenehm.
Die Herbstsaison von Anfang September bis Mitte November ist die zweite große Phase. Die Hitze ist gebrochen, das Licht wird klar, die Wälder verfärben sich, und die Hochweiden zeigen ein zweites, sanfteres Grün. Diese Phase passt besonders gut zu den Picos de Europa, der Sierra Nevada und den Pyrenäen Aragón — Hochgebirgs-Regionen, in denen die Schutzhütten oft bis Ende September oder Anfang Oktober offen bleiben.
Die Wintersaison von November bis März ist die Domäne der südlichen Inseln und Mallorcas. Das Tramuntana auf Mallorca wird in dieser Phase zu Spaniens wichtigster Wanderregion — Tagestemperaturen zwischen vierzehn und zwanzig Grad, niedrige Luftfeuchtigkeit, ein dichtes Wegenetz und eine ausgebaute Hotel-Infrastruktur. Die Kanaren (La Gomera, La Palma) sind ganzjährig wanderbar, aber gerade im europäischen Winter besonders attraktiv, weil das subtropische Klima eine ungewöhnliche Verbindung von Hochgebirgs-Wandern und Sommertemperaturen bietet.